Auf Augenhöhe

Er steht mit dem Rücken zu uns, die Beine leicht gespreizt, die Hände an den Handgelenken gebunden. Sie ruhen auf den sanften Rundungen seines Pos, er ist schlank, aber trainiert, die Muskeln definiert, aber nicht aufgeblasen. Sein Kopf ist leicht in den Nacken gelegt, die Haare kurz, sein Gesicht bleibt uns verborgen.
Sie ist der Mittelpunkt des Bilds, seine Herrscherin. Sie sitzt vor ihm, im Rollstuhl, ihr Gesicht von seiner Hüfte verborgen, ist sie wohl der Grund für seine Haltung. Ihr rechter Arm hat sich unter seinen gefesselten Armen hindurchgeschoben und hält seinen Rücken, ihre linke Hand liegt knapp unter seinem Hintern. Sie hält ihn, stützt ihn, bewahrt ihn und beherrscht ihn, der gefesselt vor ihr steht und seine Lust zwischen ihre Lippen gelegt hat. Ihr langes Haar fällt offen ihren Rücken hinab, nur eine Andeutung ihrer weichen Brust ist hinter seinem Bein zu sehen, er verbirgt ihre Nacktheit vor uns, schützt sie.
Beide leben ihre Lust, es braucht keine Farben in diesem Bild, um sie uns zu zeigen. Beide sind im Moment, ganz da, ganz beieinander. Er ist gefesselt, gebunden vom Seil, das um seine Handgelenke geschlungen ist, ebenso wie von ihren Lippen, die wir nicht sehen, aber vermuten. Dort, wo sie ihn fliegen lassen. Sie hält ihn in ihren Armen, in ihrem Mund. Sie beherrscht und gibt vor. Sie ist seine Königin.


von Isa Theobald









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